Bericht aus Belgien – SJM – Servi Jesu et Mariae

Bericht aus Belgien

belgien3Diakon Daniel Artmeyer berichtet von seinem neuen Einsatzort in Belgien

Nun bin ich schon seit einem Monat bei P. Gert Verbeken SJM in Maleizen in Flandern, dem niederländischsprachigen Teil Belgiens, um ihn  als Diakon bei seinem Apostolat zu unterstützen. Von meinen ersten Erfahrungen möchte ich ein wenig berichten.

Die erste Nacht auf belgischem Boden habe ich bei einem Bekannten von P.Gert, P. Jos Vanderbruggen OPraem, in Banneux verbracht. So konnte ich meine Zeit hier in Belgien mit einem kurzen Besuch bei Unserer Lieben Frau von Banneux beginnen.

Es hat mich sehr gefreut, an den Ort der Anfänge meiner Ordenszeit zurückzukommen. Unser Jahrgang hat hier im Frühjahr 2006 seine großen Exerzitien gemacht. Damals waren wir fünf Mitbrüder. Das Haus in Maleizen ist ein altes Kloster und Mädchenpensionat in der Nähe von Brüssel. Es wurde vor etwa 15 Jahren von einem älteren Priester vollständig restauriert, im Herbst 2012 begann P. Gert hier seinen Dienst.

Mein größtes Hindernis, bereits voll in die Arbeit mit P. Gert einzusteigen, ist die Sprache. Es ist doch etwas anderes, eine Sprache zu verstehen und sich selber in ihr auszudrücken; zumal das Niederländische dem Deutschen so ähnlich ist und darum ständig die Gefahr besteht, in ein Misch-Masch-Kauderwelsch zu fallen, das nur P. Gert versteht. Aber man kommt doch schneller in eine Sprache hinein, als man glaubt. Bei Gesprächen verstehe ich alles, doch wenn ich mir einen Satz im Kopf zurechtgelegt habe, sind die Gesprächspartner oft schon beim nächsten Thema.belgien1

Ich habe in den vergangenen Wochen bereits einen umfassenden Einblick in das Apostolat von P. Gert bekommen und kann teilweise auch schon helfen. An Sonn- und Feiertagen komme ich als Diakon zum Einsatz. Die Zahl der Gläubigen am Sonntag in der ersten Messe (forma extraordinaria) ist überschaubar, zur Hauptmesse kommen etwa 100 Personen, mit 8 Ministranten. Die Sonntagsmessen werden live auf Radio Maria übertragen. Damit erhöht sich die Zahl derer, die wöchentlich der Predigt von P. Gert lauschen, von 100 auf geschätzte 65.000!

Nach der Sonntagsmesse treffen sich viele Gläubige noch zu einem Aperitif in der Kellerbar des Hauses. So kommt man ein wenig mit den Leuten unserer Gemeinde ins Gespräch.

Das Haus wird getragen durch ein Team freiwilliger Helfer, die sich um den Garten, die Sauberkeit in den öffentlichen Bereichen, die Sakristeiwäsche, die Hausverwaltung und noch viele andere notwendige Dinge kümmern. Es ist diesen Helfern wirklich ein Anliegen, dass der Priester sich nur so viel wie nötig mit diesen profanen Dingen beschäftigen muss und frei ist für seine Tätigkeiten als Seelsorger.

Neben den hl. Messen im Haus betreut P. Gert verschiedene katholische Gruppen im Umkreis von etwa 50 km. So waren wir neulich für eine hl. Messe bei der katholischen Studentenverbindung in Löwen, bei der Aktion Leben in Mecheln und zu einer Studenten-Wallfahrt in Antwerpen. Außerdem betreut P. Gert eine neue Studentengruppe namens Credo (etwa 20 junge Männer und Frauen), für die er monatlich die hl. Messer feiert und Katechese hält, und er ist Kurat der KSA-Gruppe (Katholische Studenten-Aktion), mit der wir vergangene Woche auf „Osterlager“ in der Eifel waren. Hinzu kommen verschiedene Gruppen, die das Haus für Exerzitien oder Einkehrtage nutzen. Einige bringen ihren eigenen Priester mit, andere möchten von uns seelsorglich betreut werden.belgien2

Vergangenen Freitag hatten wir Besuch von unserem Diözesanbischof Msgr. Léonard. Es war ein sehr herzliches und ermutigendes Gespräch. Er wünscht, dass wir uns mehr und mehr – unter Wahrung unserer Eigenheiten – in seinem Erzbistum einbringen und das Haus in Maleizen an Bedeutung gewinnt.

Meine Aufgabe beschränkt sich zurzeit noch eher auf praktische Dinge, wie z.B. die Sakristei. Ich hoffe aber, dass ich mit den zunehmenden Sprachkenntnissen immer mehr auch Predigten und Katechesen übernehmen kann. Doch ich bin auch darin bisher nicht zu kurz gekommen, allerdings in deutscher Sprache. Anfang April durfte ich in Assen ein Einkehrwochenende für die Kollegianer und andere Pfadfinder halten, da der eigentliche Exerzitienmeister, ein junger Priester der Diözese Münster, kurzfristig absagen musste. 17 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zwei Tage lang geistlich zu „versorgen“ war eine schöne Herausforderung.

Vielleicht noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Am vergangenen Sonntag haben P. Gert und ich ergänzend zum Gesang des Chores noch ein paar Gregorianische Choräle gesungen. Das Pueri hebraeorum und das Gloria laus gingen noch recht gut, doch das Christus factus est zum Zwischengesang war eine völlige Pleite. Wir haben zu hoch angefangen und anschließend die hohen Töne nicht mehr geschafft. Dadurch sind wir letztlich völlig aus dem Konzept gekommen. Es war einfach nur peinlich. Die Ministranten mussten sich auf die Lippen beißen, um sich das Lachen zu verkneifen. Unsere Messbesucher hätten uns das Katzengejammer noch verziehen, aber die 65.000 Radio-Maria-Hörer!? Nach der Messe dann die große Erleichterung: Der junge Mann, der die Übertragung bei uns vor Ort leitet, hatte im Studio niemanden erreicht, so dass während der gesamten Zeit der hl. Messe auf dem Kanal nur Musik gesendet wurde. Richtige Musik. Wir haben also Hoffnung, dass unser guter Ruf unangetastet bleibt. Der hl. Cäcilia sei Dank!

Es grüßt herzlich

Daniel Artmeyer SJM