22. Mai 2005,
Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit
Liebe Jungen und Mädchen!
Die Kirche hat immer die verschiedenen Zeiten des Jahres mit gewissen Heilswahrheiten und Geheimnissen unseres Glaubens verbunden, damit uns wichtige Eckpfeiler des religiösen Lebens stets gegenwärtig bleiben. Wird der Monat Mai besonders der Jungfrau und Gottesmutter Maria gewidmet, der Mutter der Kirche und Mutter aller Christen, so gedenken wir im Monat Juni vermehrt des Heiligsten Herzens Jesu. Zudem hat unser im April verstorbener Heiliger Vater Johannes Paul II. für dieses Jahr das «Jahr der Eucharistie» ausgerufen.
So möchte ich Euch im heutigen Rundbrief einige Gedanken zum
Heiligsten Herzen Jesu, der Heiligsten Eucharistie und unserem
persönlichem Leben aus dieser Gnadenquelle schreiben.
Das Herz und das Herz Jesu
Als Herz bezeichnen wir gern die lebendige Mitte des Menschen.
Wir sprechen von einem Menschen mit einem «guten Herzen», der nicht
«herzlos» ist, kein «Herz aus Stein» hat. Bezüglich sehr
hingebungsvollen, opferbereiten Personen, bei Menschen, die in
großer Liebe ebenso großes Leid zu ertragen bereit sind, kann man
sagen: «Der vergießt sein Herzblut.» Im Herzen des Menschen sehen
wir gleichsam seinen Kern, das, was ihn im Letzten ausmacht, seine
Gutheit.
Wenn die Kirche uns anleitet, das Heiligste Herz Jesu zu
betrachten und anzubeten, will sie uns vor Augen führen, dass Gott
im wahrsten Sinne des Wortes «ein Herz für uns hat». Christus, der
ewige Sohn des Vaters, die zweite göttliche Person, ist Mensch
geworden, um uns «sein Herz zu schenken». Die Herz-Jesu-Litanei gibt
ein beredtes Zeugnis von der unerschöpflichen Liebe, die Christus in
seinem Herzen zu uns hegt. „Herz Jesu, du brennender Feuerherd der
Liebe“, „Herz Jesu, das alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft
in sich schließt“, „Herz Jesu, mit Schmach gesättigt“, „Herz Jesus,
wegen unserer Missetaten zerschlagen“, „Herz Jesus, du Quelle allen
Trostes“. Das sind alles wunderbare, wirkliche und wirksame
Eigenschaften des Herzens Jesu zu unserem Trost, unserer Freude und
unserem ewigen Heil. Der Herz-Jesu-Monat ist ein guter Anlass, die
Liebe des Herzens Jesu näher zu betrachten, erneut zu pflegen und
diese Litanei zu beten, vielleicht täglich. Sie steht in vielen
Gebetbüchern, u.a. im Gotteslob Nr. 768. Sicher findest Du darin
Anrufungen des Herzens Jesu, die gerade wie für Dich
niedergeschrieben scheinen.
Ein eucharistisches Wunder
Vielleicht kennt Ihr das eucharistische Wunder von Lanciano/Italien.
Im 8. Jahrhundert zelebrierte ein Priester in der Kirche von
Lanciano die heilige Messe. Während der heiligen Wandlung hegte er
Zweifel daran, ob sich wirklich das Brot in den Leib Christi und der
Wein in das Blut Christi verwandeln würde. In diesem Augenblick
geschah folgendes Wunder: Die Hostie wurde zu sichtbar-lebendigem
Fleisch und der Wein zu sichtbar-lebendigem Blut, das sofort gerann
und fünf unregelmäßige Klümpchen bildete.[1]
Ihr wisst freilich, dass jede Hl. Messe ein außerordentliches Wunder
ist. Immer wird in der Heiligen Wandlung durch die Worte des
geweihten Priesters, „Das ist mein Leib“ und „das ist mein Blut“
Christus gegenwärtig. Wahrhaft und wesenhaft, mit Fleisch und Blut,
mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele. Allerdings sehen
wir dieses Wunder gewöhnlich nicht mit unseren körperlichen Augen,
sondern allein mit den Augen des Glaubens, d.h. aus dem Glauben
wissen wir, dass Brot und Wein in Christus selbst verwandelt werden.
Dabei bleiben die Gestalten von Brot und Wein aber erhalten, d.h.
auch die verwandelten Gestalten behalten die äußeren Eigenschaften
von Brot und Wein bei: Sie schauen aus wie Brot und Wein, schmecken
wie Brot und Wein, haben die physikalischen und chemischen
Eigenschaften und Zusammensetzungen wie Brot und Wein. Aber:
Sie sind nicht Brot und Wein, sondern sie sind Leib und Blut
Christi. Substantiell, innerlichst, wesenhaft.
Das von Lanciano geschilderte Wunder geht über das übliche Wunder
der Hl. Messe hinaus. Denn in den Händen des damals zweifelnden
Priesters haben sich Brot und Wein nicht nur wesentlich,
substantiell in Leib und Blut Christi verwandelt, sondern auch ihr
äußeres Erscheinungsbild wurde mitverwandelt, um den Glauben des
erwähnten Priesters und den Glauben von uns allen zu stärken.
Freilich „schafft“ kein Wunder, auch kein derartiges den Glauben.
Der Mensch wird nie „gezwungen“ zu glauben. Vielmehr bleibt der
Glaubensakt immer ein Geschenk der Gnade Gottes im Zusammenwirken
mit der menschlichen Freiheit. Trotzdem sind Wunder Geschenke
Gottes, die uns helfen können, den Glauben zu vertiefen. Das
eucharistische Wunder von Lanciano ist seit Jahrhunderten kirchlich
anerkannt und zieht jährlich Tausende von Pilgern an.
Das Herz Jesu und die Eucharistie
Im Jahre 1970 übergaben die Franziskaner von Lanciano mit
Genehmigung der kirchlichen Autorität Chemikern und Medizinern der
Universität Siena Teile des bis heute aufbewahrten eucharistischen
Fleisches und Blutes zu naturwissenschaftlichen Untersuchungen.
Einige Ergebnisse möchte ich Euch hier anführen: Das Fleisch ist
wirkliches Fleisch, das Blut wirkliches Blut eines Menschen mit der
gemeinsamen Blutgruppe AB. (Ebenso beim Turiner Grabtuch!) Was
darüber hinaus noch bemerkenswert ist: Das Fleisch der Hostie haben
die Mediziner eindeutig dem Herzmuskel eines Menschen zugeordnet.[2]
Die Hl. Messe als Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu
Christi ist eine Vergegenwärtigung der Liebe seines Herzens zu uns,
eine wirkliche Vergegenwärtigung des ganzen Christus, aber besonders
seines Herzens aus Fleisch und Blut. Christus wird gegenwärtig,
öffnet sein Herz, um uns die innersten Gnaden seiner Liebe zu
schenken. «Herz Jesu, von der Lanze durchbohrt» – «du brennender
Feuerherd der Liebe»! Jede Hl. Messe ist damit ein realer Höhepunkt
des Verschenkens Jesu an die menschlichen Seele und den menschlichen
Leib. Auch der Augenblick der Hl. Kommunion kann nicht besser
beschrieben werden als damit, dass Jesus an Dich und mich sein Herz
verschenkt. Christus verschenkt sein Herz an uns, und wir sollen
unser Herz an ihn verschenken. Sein Herz bleibt ein für allemal
geöffnet, Zufluchtsstätte und «Quelle allen Trostes». Es gibt für
uns auf Erden keinen innigeren Augenblick der Gemeinschaft mit
Christus, keinen besseren Moment zu danken und zu bitten, keine
geeignetere Form der Hingabe als die Hl. Kommunion.
Der eucharistische Herr und sein Herz für die Armen
Noch einmal zurück zum Wunder von Lanciano: „Die Erhaltung der
Reliquien – in natürlichem Zustand belassen, während der
Jahrhunderte den physischen, atmosphärischen und biologischen
Einflüssen ausgesetzt, ohne jegliche Konservierungsmittel – bleibt
ein außergewöhnliches Phänomen.“[3]
Da auf der Fleisch-Hostie auch Parasiten leben, kleine Tiere, die
sich an dem Stück Fleisch seit Jahrhunderten ernähren, ist die
Erhaltung bis in unsere Tage hinein ein Wunder, in dem durchaus ein
geistlicher Sinn gefunden werden darf: Auch wir, obgleich wir
„nichtsnutzige Knechte“ (Lk 17,10) sind, dürfen, nach guter
Vorbereitung und wenn wir frei von schwerer Sünde sind, immer die
Hl. Kommunion empfangen. Man kann gar nicht arm genug sein, man kann
gar nicht bedürftig genug sein, um Christus in der Hl. Kommunion zu
empfangen. Man darf und soll leeres und reines Gefäß für seine Gnade
sein. Das hochzeitliche Gewand der heiligmachenden Gnade (vgl. Mt
22,11), selbst bereits ein Geschenk Gottes, durch das er uns
befähigt, ihm eine gute Wohnung in unserem Herzen zu bereiten,
genügt für einen würdigen und fruchtbaren Empfang. Wenn auch viele
Menschen Christus in der Eucharistie empfangen, kommt zu jedem der
ganze Christus. So hat es auch Thomas v. Aquin in zwei Strophen
seiner Fronleichnamssequenz zusammengefasst:
Wer ihn aufnimmt, bei ihm weilet,
Einer nimmt und tausend nehmen,
hat ihn voll und ungeteilet,
gleichviel stets, soviel auch kämen,
ungebrochen, unbrechbar.
immer bleibt er, was er war.
Das
Sakrament der Eucharistie
Bei der Hl. Kommunion schenkt sich Christus uns ganz, er schenkt
sein Herz. Umgekehrt sollen auch wir diesen Augenblick der Hingabe
Christi mit unserer größtmöglichen Hingabe erwidern. Wir nennen die
Hl. Eucharistie ein Sakrament und bezeichnen sie damit mit einem
Wort, welches zur Zeit des römisch-heidnischen Kaiserreiches als
sacramentum den Fahneneid des Soldaten, seine totale Hingabe an
den Kaiser bedeutete. Bei dieser «Weihe» und Übergabe des Soldaten
an den Kaiser wurde dem Krieger ein Prägemal (wohl in die Haut des
Oberarmes) eingebrannt, dass zeitlebens seine Zugehörigkeit an den
Kaiser bezeugen sollte. Auch unsere Hingabe an Christus soll nicht
ohne äußere und innere Spuren bleiben. Es sollen Spuren sein, die –
immer wieder durch jede Hl. Kommunion erneuert – unserer ganzes
Leben hindurch von der liebenden Kraft des Herzens Jesu Zeugnis
ablegen. Wir sollen gleichsam sichtbares sacramentum, Zeichen
der uns geschenkten Liebe Gottes werden, Helden für den Christ-König
und sein Reich!
Ihr habt Euch ja alle dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht.
Weihen heißt ganz übergeben, ganz anheim stellen, ganz im sich
Geweihten geborgen sein. Wenn man sich dem Unbefleckten Herzen
Mariens weiht und zugleich dem Heiligsten Herzen Jesu, bedeutet das
keinen Widerspruch. Im Gegenteil! Es ist die Eigenart unserer
himmlischen Mutter, dass sie, wenn wir auf sie schauen, sie immer
auf Christus zeigt. Selbst ganz ein Werk der Gnade, deutet sie auf
Christus, der sie zur Mutter der Gnade gemacht hat. So verweist die
Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens gleichsam immer schon auf die
Weihe an das Heiligste Herz Jesu: Zu Christus durch Maria! Sie ist
es, die mütterlich mithilft, dass jede unserer Hl. Kommunionen eine
Weihe und Hingabe an das Heiligste Herz Jesu wird.
Schließen möchte ich mit einem kleinen Vorbereitungsgebet zur Hl.
Kommunion, das ich als Jugendlicher gelernt habe:
Meine unbefleckte Mutter, setze an die Stelle meines sündigen
Herzens Dein reines und makelloses Herz, damit ich Deinen Sohn mit
reinem Herzen empfangen kann. Amen.
Euer in Christus durch Maria
P. Martin Linner SJM
