Servi Jesu et Mariae
Diener Jesu und Mariens
Kongregation päpstlichen Rechtes
deum Invenire in omnibus

Mai 2008

Liebe Jungen und Mädchen!

Vom VW-Bus zum Mercedes Benz

Die Älteren unter Euch konnten vielleicht unsere SJM-Anfangszeit in Blindenmarkt mitverfolgen. Vor gut 10 Jahren haben wir begonnen, unser Kloster, das früher ein Jagdschloss und später eine Kleiderfabrik war, auch «baulich» in ein Kloster umzugestalten. Viel war in dem 600 Jahre alten Gebäude zu renovieren. Kaum eine Wand, von der wir jungen Ordensleute nicht den fehlerhaften Putz abgeschlagen haben. Lagerhallen wurden zu unseren Zimmern umgebaut und in emsiger Arbeit verwandelten wir den ehemaligen Speisesaal der Näherinnen in eine schöne Kapelle.

Wir jungen Kerle kamen allerdings völlig unbedarft nach dem Abi ins Kloster. Neben ein paar Fremdsprachen und mathematischen Formeln hatten wir nicht viel gelernt und immer noch sozusagen zwei linke Hände. So waren wir sehr dankbar, dass wir in unseren Umbauarbeiten von handwerklichen Fachkräften aus den Reihen unserer eigenen Eltern oder Pfadfindereltern sachgemäß unterstützt wurden. Die Arbeit ging gut voran und wir konnten viele praktische und handwerkliche Erfahrungen sammeln. Gelegentlich hatten wir Baumaterial aus Deutschland zu besorgen und nach Österreich zu schaffen. Dabei ereignete sich folgende Begebenheit:

Ein Pfadfindervater aus M., ich nenne ihn Hubert, ein ganz vielseitig begabter Handwerker, hatte in seiner Heimatstadt günstiges Material für unseren Trockenausbau bekommen. Mein Mitbruder Peich (P. Peter Eichenhüller, jetzt Missionar in Kasachstan) sollte ihn und das Material mit einem VW-Bus abholen, um in Blindenmarkt zu arbeiten. Da Peich etwas müde war, wechselten sich die beiden am Steuer ab, und der Ordensmann machte es sich auf der Rückbank bequem. Als Hubert auf einer Raststelle tankte und gerade bezahlte, erwachte Peich und nützte die Gelegenheit, kurz in die Raststätte zu gehen. Die Aktion dauerte wohl keine fünf Minuten. Doch als er das Gebäude verließ, sah er nur noch die Rücklichter des VW-Busses, Hubert samt fahrbarem Untersatz waren weg. Peich ist weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen. So überzeugte er kurzerhand einen Mercedesfahrer, ihn mitzunehmen und seinem VW-Bus hinterher zu setzen. Es dauerte nicht lange, und der Bus war eingeholt. Auf der Überholspur fuhr der Mercedesfahrer mit dem VW-Bus auf gleicher Höhe. Und Peich gestikulierte Hubert mit ganzer Kraft, dass er bei der nächsten Ausfahrt rausfahren sollte. Doch Hubert fand das alles recht lustig. Sichtlich erheitert durch den wilden Peich rief er – so erzählte er später – Richtung Rücksitzbank nach hinten, wo er den schlafenden Peich wähnte: „Du Peich, wach schnell auf! Im Auto nebenan sitzt einer, der winkt ganz fürchterlich und schaut so aus wie du!“ Das Spektakel war bald gelöst und Peich konnte wieder in sein Auto zurück. Wer die klapprigen SJM-Autos kennt, weiß, dass das kein Aufstieg war...

 Besser fährt schon ein Mercedes...

Dass man mit einem besseren Auto auch besser fährt, ist kein Geheimnis.

Dass wir im Glauben gut fahren sollen, um den Plan Gottes hier auf Erden zu erfüllen und unser ewiges Ziel im Himmel zu erreichen, ist auch jedem klar.

Deshalb will der Liebe Gott auch uns für unser geistliches Leben ein «besseres» Auto geben, damit wir unterwegs nicht so leicht liegen bleiben. Aber er will noch mehr für uns! Bei einem besseren Auto hat man auch ein besseres Fahrgefühl, liegt besser in den Kurven, hat bessere Sicherheitsmechanismen – das ganze Fahren wird einfach schöner.

 Maria, das «Fahrzeug» des Gottessohnes

Als Jesus auf die Welt kommen wollte, hat er sich auch ein «Fahrzeug» erkoren, in dem er sicher heranwachsen konnte. Das war der unbefleckte Schoß Mariens. Maria zog mit ihm zu ihrer Base Elisabeth. Jesus erfüllte diese mit dem Heiligen Geist. Ebenso ihren Sohn Johannes (den Täufer), den er noch im Mutterleib vor lauter Freude zum Hüpfen brachte. Maria trug Jesus in ihrem Schoß nach Bethlehem, damit er in der Davidsstadt geboren werden konnte, wie es in der Schrift heißt (Mich 5,1). Unter dem Unbefleckten Herzen Mariens war Jesus «gut und sicher unterwegs».

Gott will für uns nicht, dass wir in einer sozusagen klapprigen Kiste unterwegs sind. Er will uns sicher führen und geborgen wissen. Auch wir dürfen vom alten VW-Bus auf den Mercedes umsteigen – und wir brauchen nicht mehr zurück! Auch bei uns soll die Führung durch Gott für Außenstehende unglaublich sein: „Schau, der sieht aus wie du!“ – so dass sie sehen, dass wir immer noch die gleichen sind, aber – durch Gottes Geschenk – etwas Wunderbares an uns geschieht.

 Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens

Gott gibt uns eine Hilfe an die Hand, um treu und sicher den nicht immer einfachen Lebensweg meistern zu können: Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens. Indem wir uns dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen, «einschreiben» oder «einsteigen», gibt er uns das «Fahrzeug», um sicher und gut seine Pläne verwirklichen zu können.

 Marienweihe und Lourdes

Die Kirche feiert dieses Jahr das 150. Jubiläum der Marienerscheinungen im südfranzösischen Lourdes. Vom 11. Februar bis zum 16. Juli 1858 ist die Muttergottes achtzehnmal der hl. Bernadette Soubirous erschienen. In der Felsengrotte von Massabielle offenbarte sich die «schöne Dame» – von Bernadette nach ihrem Namen gefragt – als die Unbefleckte Empfängnis. Die zum Mädchen gesprochenen Worte der Muttergottes hatten eine wahrhaft elektrisierende Wirkung auf den kritischen Pfarrer Peyramale von Lourdes.

„Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“, hatte die Dame gesagt. Bernadette wusste nicht, was dieser Name bedeutet. Aber der katholische Priester wusste zu gut, dass dies eine Bestätigung des vier Jahre vorher festgelegten Glaubenssatzes von Papst Pius IX. ist. Hier hatte der Papst erklärt, dass „die seligste Jungfrau Maria vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch die einzigartige Gnade und Bevorzugung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi [...] von jeglichem Makel der Urschuld unversehrt bewahrt wurde.“

Mit diesem Dogma wird deutlich, dass Gott in der Person Mariens die Unbeflecktheit, d. h. den Zustand des Paradieses wiederhergestellt, neu geschaffen hat, wie der hl. Kirchenvater Ephräm sagt. Wir wollen mit der Botschaft von Fatima aus dem Jahre 1917 weiterschauen. Hier bittet die Muttergottes um die Weihe an ihr Unbeflecktes Herz. D. h. nichts anderes, als dass Gott in Maria auch uns einen paradiesischen Ort zeigt, wo wir sicher und geborgen sein sollen. Hier dürfen wir gleichsam in ein besseres «Auto» umsteigen, um sicherer, besser zu Jesus und zum ewigen Leben zu kommen. Das will die Marienweihe: «Umsteigen», sich einschmiegen in das Unbefleckte Herz Mariens.

 Wenigstens einmal im Monat!

Ihr habt eure Marienweihe nach verschiedenen Formen abgelegt (Erneuerung der Jugend in Christus durch Maria oder SOS-Aktion 7 u.ä.) Dabei habt ihr versprochen, täglich oder wenigstens einmal im Monat, die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens zu erneuern. Wir SJMler haben uns nach unserer Ordensregel gerne verpflichtet, das täglich tun. P. Hönisch hat uns immer wieder eindringlich ins Gedächtnis gerufen: Wenn ihr täglich eure Weihe erneuert und lebt, werdet ihr immer treu sein können!

 Was ist so großartig an der Weihe?[1]

·  Sich dem Unbefleckten Herzen Mariens einschreiben heißt, sich ihrer gnadenhaften Bevorzugung Gottes, ihrer Heiligkeit anvertrauen (unbefleckt). Sich ihrem Herzen übergeben will nichts anderes besagen als sich ganz ihrer mütterlichen Liebe anheimstellen.

·  Dann geht es hier um eine Weihe. Eine Weihe ist mehr als eine Segnung (vgl. Kirchenrecht Can.1169). So denken wir beim Begriff «Weihe» zunächst an die Weihe einer Kirche, eines Altars oder eines Bischofs/Priesters. Gesegnet werden Andachtsgegenstände wie Bilder, Rosenkränze. Es können aber auch Häuser, Autos oder Tiere gesegnet werden. Auch wenn wir umgangssprachlich da nicht immer klar unterscheiden, handelt es sich theologisch genau betrachtet bei den ersten Beispielen um eine Weihe, bei den letzteren um eine Segnung. Bei der Marienweihe handelt es sich um eine Weihe. Daraus folgt auch, dass dies etwas Besonderes ist.

·  Bei jeder Weihe wird der zu weihende Gegenstand aus dem gewöhnlichen Gebrauch herausgenommen und in das Eigentum Gottes übergeben, er wird für das Heilige bestimmt. Obgleich wir als Christen schon getauft und damit geheiligt sind, erneuern und bekräftigen wir mit dem Akt der Marienweihe das Geschenk Gottes, dass er uns zu seinen Kindern gemacht hat. Dabei vertrauen wir uns besonders seiner Mutter an, die er, Christus selbst, uns dafür zur Mutter gegeben hat (vgl. Joh 19,26f).

·  So beinhaltet die Marienweihe auch eine Übergabe. Die Weihe ist eine gesteigerte Hingabe, Verzicht auf eigenmächtigen Besitz, seiner selbst, seiner Güter, seiner Taten. Weihe heißt: Maria alles schenken, weil wir wissen, dass wir und all das Unsrige bei ihr gut aufgehoben ist. Maria sorgt nicht nur dafür, dass nichts Gutes verloren geht, sondern dass das Gute auch immer mehr wird, wir immer reicher werden.

·  Weihe so verstanden beinhaltet aber auch eine Veränderung der Verantwortung. Natürlich zeigt die Heilige Schrift und die Heilsgeschichte die bereits bestehende mütterlich-vermittelnde Bedeutung Mariens klar auf. Der Wille und Ratschluss Gottes selbst hat ihr diese Rolle zugeeignet. Aber Gott zwingt uns nie. Er achtet unseren freien Willen, unser Miteinstimmen in seinen Heilsplan. „Er schenkt uns seine Gnade nach unserer Hingabe“ (Gertrud v. Le Fort). Wenn wir uns also dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen, „erlauben“ wir der Muttergottes, mehr für uns zu tun, wirklich wie eine Mutter für uns verantwortlich zu sein. Wir bitten sie, diese Verantwortung auszuüben.

·  Die Übersetzung unseres deutschen Wortes «Weihe» hat in den romanischen Sprachen den lateinischen Wortstamm «consecratio» und ist unserem Fremdwort «Konsekration» ähnlich. Beim Begriff «Konsekration» sehen wir uns aber besonders an die Hl. Wandlung der eucharistischen Opfergaben erinnert. Und in der Tat besteht ein gewisser Bezug, eine Ähnlichkeit. Wir weihen («konsekrieren») uns dem Unbefleckten Herzen Mariens, weil auch wir auf ihre Fürbitte hin durch die Gnade Gottes immer mehr in wahre und heilige Christen verwandelt werden wollen. Wir wollen ihr, als dem Urbild der Christen, immer ähnlicher werden. In Maria zeigt uns Gott, wie schön er eigentlich uns alle haben will. Bei der geistlichen Vereinigung mit ihrem Unbefleckten Herzen bitten wir darum, dass wir dem Bild Mariens stets inniger gleichgestaltet werden. Es gilt z. B. für den Bereich der Chemie, dass die stärkeren Elemente die schwächeren bestimmen. So soll es für uns auch auf dieser geistlichen Ebene sein.

·  Die Marienweihe ist ein feierlicher, immer gültiger Akt. Papst Pius XII. sagt dazu: „Die Weihe an die Gottesmutter ist eine völlige Selbstübereignung an Maria für Zeit und Ewigkeit, nicht eine leere Geste oder ein sentimentaler Akt, sondern etwas durch und durch Folgenschweres, das in die Tat umgesetzt werden muss in einem ganz christlichen und marianischen Leben.“

 Also: Volle Fahrt voraus!

Jesus schenkt uns alle Heilsmittel und Gnaden, die wir brauchen, damit unser Leben gelingt, damit es ein gutes Leben wird, und auch der Tod nur der Durchgang zum ewigen Leben wird. Dabei stellt er uns Freunde an die Seite, die Gemeinschaft der Heiligen. Wir sollen nicht allein sein. Unter ihnen ragt durch ihre Gnade besonders Maria, die Mutter Gottes hervor. Gott will, dass sie auch unsere Mutter sei. Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens, ja ihr Unbeflecktes Herz selbst ist die Form, diesen Weg besser gehen zu können, «fahren» zu können mit unserem «Mercedes Benz». – Und wir brauchen und sollen dieses Herz nie mehr verlassen, nie mehr in eine klapprige, müde Kiste umsteigen... Geborgen im Unbefleckten Herzen Mariens wird auch unser «Fahrgefühl» besser, unsere «Kurvenlage» bei den Schwierigkeiten des Lebens stabiler, die Freude an Leben und Glaube größer. Außenstehende werden dieses Geheimnis vielleicht gar nicht verstehen und verwirrt meinen: „Der schaut ja aus wie du...“

Euer in Christo per Mariam

P. Martin Linner SJM


[1] Vgl. zu diesen Ausführungen: Opitz, Friedrich, Marienweihe, Münster 19933.