Servi Jesu et Mariae
Diener Jesu und Mariens
Kongregation päpstlichen Rechtes
deum Invenire in omnibus

Bericht von Janusch Wollnie

Bericht über die Arbeit in der Pfarrei Hl. Andreas in Temirtau, sowie in der Caritas in Zentralkasachstan.

Schon wieder sind drei Monate vergangen, als wären es drei Wochen. Die Zeit geht so schnell vorbei, dass man gelegentlich Panik bekommt, wenn man überlegt, ob man sie auch möglichst gewinnbringend für das Reich Gottes eingesetzt hat. Denn der Weinberg des Herrn in unserer Pfarrei Hl. Andreas ist unglaublich groß und dementsprechend die Arbeitsmöglichkeit, ja Arbeitsnotwendigkeit. Im letzten Bericht habe ich mich in der Anzahl der Dörfer geirrt. Nach gründlichem Studium der Landkarte, sind es nicht 14, sondern 21 Dörfer, welche noch zur Stadtpfarrei dazugehören. Allerdings liegen sie alle im nahen Umkreis; eines schließt sich unmittelbar an die Altstadt an und das am weitesten entfernte liegt in einer Entfernung von ca. 50 km an einer Hauptstraße. Das ist für kasachstanische Verhältnisse eine sehr günstige Arbeitsbedingung, vor allem in den Wintermonaten. So Gott will, wollen wir gleich nach Ostern die einzelnen Dörfer aufsuchen und Kontakt zu den dort lebenden Katholiken aufnehmen. Denn dass es dort solche gibt, hat sich erst wieder vor kurzem bestätigt, als einige Leute aus einem der Dörfer bezüglich einer katholischen Beerdigung bei uns in Timertau nachfragten. Für diese Mission haben sich auch bereits von sich aus unsere Schwestern von der Mutter Theresia zur Hilfe bereiterklärt. Ihre Hausoberin hat darin schon viel praktische Erfahrung. Sie hat früher in Indien gearbeitet, wo gewöhnlich ein Priester mit zwei oder drei Missionsschwestern durch die Dörfer zog. Sie blieben einige wenige Tage in einem Dorf, feierten dort das Hl. Messopfer, erteilten Religionsunterricht und gezielte Vorbereitung auf den Sakramentenempfang und wo möglich, wurden diese auch vom Priester gespendet.

Seit knapp drei Wochen ist unser Mitbruder P. Leopold bei uns. Er spricht schon gut Russisch und ist somit eine große Hilfe in der Seelsorge. 

Die Haussegnungen haben wir im Februar bereits abgeschlossen. Dabei war es aber gar nicht so einfach alle Adressen, welche in der ganzen Stadt verstreut waren zu finden. Gott sei Dank waren unsere Ministranten immer dabei. Sie halfen nicht nur beim Tragen vom Weihrauchfass, Weihwasserbehälter, Buch und den Geschenken der Leute, sondern halfen vor allem die Wohnungen aufzufinden. Ohne ihre Hilfe wäre ich sicherlich noch immer nicht fertig.

Vor einer Woche wurden wir Patres in eines der städtischen Krankenhäuser gerufen, zu einem Schwerkranken. Er lag auf der geschlossenen Station und war im sehr ernsten Zustand. Besuch war nicht erlaubt. Aber da ich mich als Priester vorstellte und in Sutane war, machte die Oberschwester eine Ausnahme; mürrisch lehnte sie jedoch den Besuch von P. Leopold und den  zwei uns begleitenden Ordensschwestern ab. Allerdings kam mein Mitbruder schon nach kurzer Zeit nach, denn er hatte der Aufsichtsperson weisgemacht, dass er ein notwendiger Priesterassistent sei. Der arme Kerl, zu dem wir gerufen worden waren heißt (oder hieß, denn er ist womöglich bereits verstorben) Georgi, ein Obdachloser, der zuletzt im Hospiz der Mutter Theresa Schwestern war, bevor er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Nur Haut und Knochen lagen da, aber noch voll bei Bewusstsein. Da er nicht sicher wusste, ob er getauft sei, jedoch das Verlangen danach hatte, wurde ihm nach einer kurzen Vorbereitung die Bedingungstaufe und die Lebensbeichte gespendet, danach die Firmung und schließlich die Krankensalbung. Er hatte Glück, dass er zuvor bei den Schwestern war und diese uns zu ihm riefen, aber wie viele sterben hier täglich in ihren Sünden. Am schlimmsten ist die Situation wohl in der Tuberkuloseklinik. Wenn wir eine ständige Erlaubnis zum Besuch der Krankenhäuser unserer Stadt bekämen, wäre das sicherlich ein großer Segen.

Ende Februar hatte ich die Ehre die Oberin und eine zweite Schwester vom Karmel in Karaganda nach Timertau zu fahren. Bei Gelegenheit wurden sie natürlich zum Besuch unserer Pfarrkirche eingeladen. Als Schwester Oberin die KPE – Fahne in der Kirche stehen sah, hat sie mit Begeisterung gebeten die Pfadfinderarbeit unbedingt zu beginnen, mit der festen Überzeugung, dass gerade die Stadtjugend dieser Persönlichkeits- und Glaubenserziehung  dringend bedarf. Daraufhin hat sie versprochen in diesem Anliegen speziell zu beten. Damit haben wir sehr starke Verbündete! Während der Autofahrt haben die Karmelschwestern noch viele interessante Dinge erzählt. Vor allem erschreckend, beinahe unglaublich war der Bericht über die starke Verbreitung von Magie und Zauberei in der Stadt Karaganda. Das gilt übrigens aber mindestens genauso für Timertau. Sie bezeugten, dass ein Großteil der Menschen hier Erfahrung mit der Geisterwelt hat. Natürlich erzählen das die betreffenden Personen den Schwestern nicht selber, aber die Kinder berichten dafür ausführlich von dem, was sie zu Hause erleben. Allerdings kommt auch gelegentlich aus versehen ein Bekenntnis aus dem Munde Erwachsener. So sagte einmal eine Babuschka zur Schwester: „heute Nacht hat mich mein Domaschni (d.h. übersetzt so etwa Hausgeist, oder Kobold) wieder arg gequält“. Auf Nachfrage der Schwester erzählte sie ihr einiges, u.a. das er in einer Katze unter ihrem Bett lebt und nicht so schlimm ist, wenn man ihn nicht reizt, sondern das tut was er will. Da ging mir auch ein Licht auf, denn in einer der letzten Katechesen nach der Sonntagsmesse, hatte ich das Thema Aberglaube, Magie, Teufelsspuk usw. behandelt. Danach fragte eine junge Studentin, ob es Domaschni gebe und ob sie auch in diese Kategorie gehören. Ich wusste damals leider noch nicht, was darunter zu verstehen war. Andere Jugendliche erzählen ebenfalls von außergewöhnlichen Begebenheiten in einigen Wohnungen, wo schlimme Verbrechen geschehen waren. Vor einer Woche war auch eine Haussegnung mit kleinem Exorzismus in der Wohnung einer jungen Ehefrau, welche unter Tränen ihr Leid berichtete und um Hilfe bat. Sie erzählte, dass sie nach ihrer Heirat in eine neue Wohnung gezogen waren und dass sie dort nachts kaum schlafen kann. Anfangs dachte sie an nichts besonderes, aber sie bekam keine Ruhe. Immer zu einer bestimmten Zeit in der Nacht wachte sie plötzlich auf und hatte einen schweren Druck auf der Brust, so dass sie sich nicht bewegen konnte, nicht sprechen konnte und kaum Luft bekam. Erst als sie zu beten begann, wurde es besser, bis der Druck verschwand (ich erinnere mich noch diesbezüglich an Erzählungen der alten Leute aus unserem Heimatort in Schlesien, welche von genau solchen Begebenheiten erzählten, sie nannten das „Alp“ oder auf polnisch „Smora“). Manchmal hörte sie auch aus der Küche Essgeräusche, obwohl niemand dort war. Und einmal, als ihr Ehemann nachts aufstand und in die Küche ging, sah sie, wie von dort ein Schatten auf sie zukam und spürte auch gleich diesen Alpdruck. Sie suchte bei uns Hilfe, da nach der Haussegnung im letzten Jahr diese Begebenheiten für längere Zeit verschwanden, dann aber wieder einsetzten.

Auch die Mutter Theresa Schwestern können manches erzählen. So von Häuserblocks, wo ständig irgendwelche schwere, oder tödliche Unfälle stattfinden. Oder von ihren Erlebnissen bei Hausbesuchen, denn sie besuchen regelmäßig einige von den ärmsten und hilfsbedürftigen Menschen in ihren Wohnungen. Eine schon alte und kranke Babuschka erklärte einmal der Schwester während einem Gespräch über das Leben nach dem Tod, als die Schwester tröstend nach oben zeigte und meinte, dass die alte Frau sicherlich bald dort beim Herrgott sein würde, „nein, nein liebe Schwester, denn ich habe dem da unten gedient und darum komme ich dorthin“ dabei zeigte sie entschieden auf den Boden. Sie betrieb Zauberei und wollte nicht davon ablassen.

In der Woche nach dem Weißen Sonntag ist das alljährliche Priestertreffen von ganz Kasachstan. Dieses Jahr findet es in unserer Diözese statt, in einem Sanatorium nicht weit von Karaganda.

Herzliche Grüße an Euch alle aus unserer Mission in der kasachischen Zentralsteppe,

 Euer Mitbruder P. Janusch Wollnie, Timertau, am 02.04.2009